Arbeitskräftemangel
Beeinflusst die Branche
In Portugal verlangsamt der Mangel an ausländischen Arbeitskräften das Wachstum großer Betriebe in den Anbaugebieten für Erdbeeren und kleine Beerenfrüchte.
Da einheimische Arbeitskräfte nicht verfügbar sind, sehen sich die Produzenten gezwungen, ausländische Arbeiter anzuwerben. Das ist aber zurzeit noch ein langwieriger bürokratischer Prozess – mit negativen Auswirkungen auf das Wachstum dieses Produktionsweiges. Doch mittelgristig soll das Inkrafftreten des neuen Einstellungsgesetzes für Gastarbeiter diese Problem verringern.
Hinzu kommen Einschränkungen durch das (EU-) Projekt Natura 2000. “Unser Wachstum hängt von der Lösung dieser beiden Probleme ab, da wir nur bei Verdopplung des Produktionsvolumens mit Profit verkaufen könen“, betont Sofia Rosendo, Geschäftsführerin von AMS (Wellpict-Gruppe). Das Unternehmen ist in Brejao, an der Alentajo – Küste, ansässig und sucht 350 Arbeitskräfte. Anfang April 2006, als dieses Interview geführt wurde, hatte Sofia Rosendo knapp 140 gefunden. Geplant war eine Aufstockung der Erdbeerflächen von 45 auf 100 ha, doch nun werden 2007 wohl nur 7 ha hinzukommen.
Und Gonçalo Andrade, kaufmännischer Leiter der Erzeugergemeinschaft Lusomorango, erklärt: „Aufgrund des Arbeitskräftemangels werden wir unsere Anbauflächen nicht wie vorgesehen vergroßern. Außerdem ist es schwierig eine Vorhersage für due Entwisklung der kommenden Kampagne zu machen, da die Ankunft ausländischer Arbeitskräfte ebenfalls quantitativ schwer zu erfassen ist“. Die Erzeugergemeinschaft benötigt insgesamt 500 Arbeiter. Lusomorango gehören fünf der größten portugiesischen Produzenten von Beerenfrüchten an. Zurzeit werden auf 110 ha Erdbeeren und Himbeeren angebaut, aber mit dem Eintritt neuer Produzenten (s. Kasten rechts) soll eine Vergößerung der Anbauflachen um 45 erfolgen.
Einschränkungen durch Natura 2000
Abgesehen von den Problemen bei der Einstelling von Arbeitskräften sind die Erdbeerproduzenten an der Vizentinischen Küste, wo der größte Teil der nationalen Produktion von Erdbeeren und kleinen Beerunfrüchten konzentriert ist, über Restriktionen beunruhigt, die das Projekt Natura 2000 für die regionale Landwirtschaft mit sich bringt.
Dazu gehören „Restriktionen bei der Installation neuer Heizungen und, was uns besonders beunruhigt, ein Verbot der Bodendesinfektion, das unsere Entwicklung beeinträchtigen“, betont Sofia Rosendo. Gonçalo Andrade erwähnt die Probleme bei der Versorgung mit Pflanzenschutzpräparaten; hier gibt es zahlreiche Unterschiede zwischen den in Portugal und den ini Spanien zugelassenen Präparaten.
Außerdem sind die Produzenten über das Anwendungsverbot für Methylbromid beunruhigt. Für Produktionsbetriebe ist das Verbot bereits in Kraft und soll demnächst auch auf die Vermehrungsbetriebe ausgedehnt werden. „Die Situation wird besorgnisserregend, denn es gibt keine wirksame Alternative zur chemischen Desinfektion, vor allem nicht bei einer intensiven Produktion, due nur während eines kurzen Zeitraums die Desinfektion erlaubt“, stellt Sofia Rosendo fest. Und Gonçalo Andrade fügt hinzu „Wir wissen bereits, dass das Produktionsniveau aufgrund dieser Lücken sinken wird“.
Neue Regelungen für die Einstellung ausländischer Arbeitskräfte
Demnächst wird in Portugal ein neues Gesetz in Kraft treten, das die Einstellung von ausländischen Arbeitskräften, die aus Ländern außerhalb ser EU stammen, erleichtert. Bisher konnte es bis zur Erteilung der Arbeitserlaubnis sechs Monate dauern.
Die neuen Vorschriften erlauben den Arbeitern – mit Zustimmung der Einwanderungsbehörde und des Zolls – in dem Betrieb anzutreten, sobald der Arbeitsvertrag unterzeichnet wurde. Einmal vor Ort, hat der Arbeiter dann 8 bis 15 Tage Zeit, um sein Arbeitsvisum zu Beschaffen.
Danach sind die Betriebe für die Gastarbeiter zuständig. Wenn die Arbeit beendet ist, müssen sie die Einwanderunsbehörde und den Zoll darüber informieren. Der Arbeiter hat dann zwei Möglichkeiten: Entweder kehrt er mit einem von seinem früheren Arbeitgeber bezalhaten Flugticket in Seine Heimat zurück oder er bleibt in Portugal and sucht sich im nächsten Monat einen neuen Arbetisvertrag. Die Arbeitsverträge können in Zukunft auch kürzer befristet sein, müssen aber über mindestrens drei Monate laufen; zurzeit sieht das Gesetz eine Mindestvertragsdauer von einem Jahr vor.
„Der Binnenmarkt hat keinen Gewinn gebracht“
Sofia Rosendo badauert, dass 2006 die vom portugiesischen Handel gezahlten Preise unter dem Erzeugerpreis lagen: „Der Binnenmarkt hat keinen Gewinn gebracht. Wir konnten aber den Preis auf dem Auslandsmarktverdreifachen; deshalb werden wirs uns vermehrt diesem Sektor zuwenden“.
2007 will AMS die Produktionsfläche durch 5 ha beheizte Substratkulteren vergrößern. Dann will mann auch mit der Insektenproduktion beginnen, für die Einführung des integrierten Ppflanzenschutzes innerhalb des eigenen Unternehmens, aber auch für den Verkauf an Dritte.
Lusomorango: drei neue Mitglieder
Drie Erdbeerproduzenten haben Betriebe in der Region Zambujeira do mar gegründet und sich der Erzeugergemeinschaft angeschlossen: Ein Deutscher und zwei Amerikaner bauen auf jewils 15 ha Driscoll-Sorten an.
Lusomorango konnte sich bereits 2005 während der gesamten Saison auf dem Erdbeer-und Himbeekmarkt behaupten. 2006 wird die Erzeugergemeinschaft mit einer Produktion von 2500 t Erdbeeren und 600 t Himbeeren voraussichtlich einen Umsatz zwischen 7,5 und 8 Mio. € erwitschaften.
Lusomorango ist in Portugal mit den marken Aromas, Aroma Premium vertreten und beliefert mit diesen Marken seit 2005 auch den spanischen Markt „Wir haben in Spenien von Juni bis januar sehr gute Ergebnisse erzielt. Uns wurde die Gelegenheit geboten, über Handelsketten auf den spanischen Markt zu gelangen. Dieses Jahr (2006) haben wir uns dem Direktverkauf zugewendet“, berichtet Gonçalo Andrade. Seiner Ansicht nach ist das zwischen Juli und Dezember (also wenn die spanische Produktion fehlt) ein Markt mit großer Kaufkraft und einem Aufnahmepotential für portugiesische Erdbeeren.
Was den Rest von Europa anbetrifft, will Lisomorango in Norwegen, Russland, Großbritannien, Schweden, Holland un Belgien seine Anstrengungen auf die Marke Belly Valley konzentrieren. Auberdem will man in die Herbst-/Winterproduktion der Sorte Camarilho (für die Portugal das alleinige Vertriebsrecht besitzt) investieren; 2006 sollten weitere von 33 ha angepflanzt werden. Die bevorzugten Frühjahrds-/Sommersorten sind Agora, El Dorado, und Sao Jão. Driscoll-Sorten stellen 88% der produktion von Lusomorango. Die Erzeugergemeinschaft möchte auch in die Sortenforschung bei Erdbeeren im Freilans- und Substratanbaur, Blaueeren und Brombeeren inbestieren und will dafür eine Versuchsfäche von 5 000 m2 zur Verfügung stellen.
Huelva
Erdbeeren in der Krise
Qualitätsprobleme, überproduktion, Preise im freien Fall… - die Erdbeerproduktion in der spanischen Privinz Huelva ist seit Jahren ernsthaft in Frage gestellt.
Grund der Misere sind Absatzprobleme für eine Produktion von ca. 300,000 t Erdbeeren pro Saison sowie Schwierigkeiten beim Marktmanagement.
Nach dem katastrophalen Jahr 2005 haben die Erdbeerbauern von Huelva em Frühjahr 2006 nicht gezögert, zu drastischen Mitteln zu griefen. Bei den ersten Anzeichen einer Kursschwäche haben sie beschlossen, 25% ser insgesamt 7 000 ha großan Anbauflächen zu opferm. Aber zum Schluss was es doch „eine schlechte Saison für unseren Sektor“, gibt José Manuel Romero, Chef von Freshhuelva „Nicth nur die Volumina waren in 2006 auf Grund der getroffenen Maßnahmen geringer, auch die Preise lagen unter denen des Vorjahres“.
Am Ende der Saison erreichte die Produktion 235 000 t (-7,47%). Aber die Führungskräfte der Branche sind besonders über den deutlichen Qualitätsverlust der Erdbeeren beunruhigt, der einen erhblichen Anstieg der für die Verarbeitungsindustrie bestimmten Menge zur Folge hatte (42 000 t, di. +34 %). Bei Tafelerdbeeren hingegen sanken die Volumina um 13,4%. Daraus resultierte 2006 ein Umsatzrückgang auf 247 Mio. € (2005: 272 Mio.€)> Innerhalb von sechs Jahren ist damit der Ersbeerpreis in Huelva um 40% gesunken.
Neue Sorten
Im Sommer 2006 wurde ein interprofessionelles Projekt euf den Weg gebracht, dais eine Begrenzung der Anpflanzungen (es werden 10 % gennant; das wären 700 ha weniger als bislang), vor allem aber die Bereitstellung von Fonds zur Verkaufsförderung und für das Marketing ermöglichen soll. Nun denkt die Branche auch über eine. Segmentierung des Angebotes und die Eunführung eines Qualitätsmonitorings in Zusammenarbeit mit det Universität Huelva und Eurosemillas nach. Dadurch will man die Mentalität der Produzenten ändern, die zu sehr an den Erträagen interessiert sind und den manchman superfrühen Planzterminen zu wenig Beachtung schenken. Javier Caro (Eurosemillas) ist außerdem der Ansicht, dass ein Teil der Erdbeerproduzenten schlechte bzw. Falsche landwirtschaftliche Praktiken anwenden.
Absatzmarkt im Herkunftsgebiet
Auch das Sortenpaneel in der Region – auf 50 % der Flächen wird die Sorte Camarosa angebaut – könnte spürbare Veränderungen arfahren. So wird für die Sorten Sabrosa, Ventana und Festival in den kommenden zwei, drei Jahren eine deutliche Zunahme erwartet. Sabrosa, eine amerikanische Sorte mit einem ähnlichen Zyklus wie Camarosa, aber geringerem Käaltebedarf, wird wihl in der nächsten Saison einen Flächenanteil von 30% erreichen. Von Alvion, einer remontierenden Sorte (April/Juni) erwartet due Branche eine Qualitäatsverbesserung.
José Manuel Romero setzt sich auch noch für eun anderes Projekt ein: Die Schaffung eines Absatzmarktes in der Privinz („Mercado d’origen“) könnte kostendeckende Preisnotierungen bieten.
Aber dafür muss – wie auch für den Beginn der zweiten Konzentrierungsphase, d.i. die der Marktbeschicker – noch eine Kulturrevolution erfolgen. Dann könnte Huelva aufgrund von Qualität seine früher durch große Volumina erworbene Position auf dem europäischen Markt halten. |